Asylsuchende lernen in Rubigen Deutsch, und wie!

Bald ist es ein Jahr her, seitdem die ersten Asylsuchenden in Rubigen eingezogen sind. Aktuell sind es 71 aus 17 Ländern, davon 5 Frauen. In den ersten Monaten pendelten sich regelmässige Zeitfenster ein, in denen Freiwillige mit den Asylsuchenden Deutsch praktizierten – sei es mit losen Blättern, Vorträgen, Liedern, Stegreif- oder Kärtchenübungen. Dank der Unterstützung der Kirchgemeinde sowie des Spendenfonds der Gemeinde Rubigen haben wir inzwischen 20 Lehrmittel angeschafft, die seit Juni den freiwilligen Kursleiterinnen einen systematisch aufgebauten Deutschunterricht und den Asylsuchenden auch selbstständiges Lernen ermöglichen. Einige Asylsuchende haben die Gelegenheit genutzt und beachtliche Fortschritte erzielt, so dass seit November eine Lerngruppe sogar die Stufe A2 ansteuert, während die zweite auf gutem Weg zur Vollendung des A1-Niveaus ist und eine dritte Gruppe für Einsteiger/innen eröffnet wurde. Die Aufnahme in diese Lerngruppen geschieht auf Grund von Einstufungstests und einer Empfehlung der ORS, die ihrerseits an einem Tag in der Woche drei Klassen unterrichtet.
Wer von den Asylsuchenden (noch) keine solche Empfehlung hat, ist in weiteren Zeitfenstern montags, donnerstags und freitags willkommen – wo die Freiwilligen gerne nach ihren Wünschen und Bedürfnissen mit ihnen üben.
Für diejenigen, die mit unserem Alphabet noch Mühe haben, steht zusätzlich eine – ebenfalls freiwillige – Fachperson im Einsatz.

Wir Rubiger Freiwillige freuen uns, dass wir einen sinnvollen Beitrag zur Integration und zur Bewältigung der Wartezeit der Asylsuchenden beisteuern können. Unsere Einsätze koordinieren wir über einen Doodle oder bilateral. An dieser Stelle danken wir der Kirchgemeinde und der Gemeindeverwaltung herzlich, dass sie uns die nötigen Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Danke auch vielmals den Spendern und Spenderinnen, die den Topf der Gemeindeverwaltung füllen, damit wir Lehrmittel beschaffen können!

Und hier noch eine konkrete Bitte: Wer liest seine Zeitung jeweils frühmorgens und möchte ihr ein zweites Leben in der NUK bescheren? Es gibt Asylsuchende, die imstande und gewillt sind, sich über eine handfeste Zeitung zu informieren… Wer macht es möglich?

Weiterhin gilt: Wer Freude am Vermitteln der deutschen Sprache hat und sich neu in der Deutsch-Freiwilligengruppe engagieren möchte ist willkommen! Bitte melden Sie sich bei irene(ät)interlama.net

Neuer Wochenplan Deutsch als Fremdsprache

Wochenplan Deutsch als Fremdsprache

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Links:

ORS Service AG, Betreiber der Notunterkunft Rubigen (u.v.a.)

http://www.ors.ch/de-CH/Uber-uns/Haufige-Fragen

KKF-OCA Kirchliche Kontaktstelle für Flüchtlingsfragen:

http://www.kkf-oca.ch/

Asylverfahren – kurz erklärt (Schweizerische Flüchtlingshilfe):

https://www.fluechtlingshilfe.ch/hilfe/asylverfahren-kurz-erklaert.html

SEM Informationen zu den verschiedenen Ausweisen:

https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/publiservice/publikationen/info-flue-va/info-flue-va-de.pdf

Asylverfahren – schematische Darstellung:

https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/asyl/verfahren/bfm-asylschema-d.pdf

Schweizerisches Rotes Kreuz Bern – die sieben Grundsätze:

https://www.srk-bern.ch/de/portrait/grundsaetze/

 

 

 

Hinweise für Freiwillige im Zusammenhang mit Asylsuchenden

  • Wir begegnen den Asylsuchenden mit Respekt und Offenheit, auf Augenhöhe.
  • Wir kennen und achten unsere eigenen Grenzen und Ressourcen. Wir respektieren die Grenzen der Asylsuchenden und fördern nach Möglichkeit ihre Ressourcen.
  • Wir vermeiden Doppelspurigkeiten, dh wir kommunizieren mit dem Personal von ORS bevor wir für Asylsuchende irgendwelche Ämter kontaktieren.
  • Jeder Asylsuchende ist ein individueller Mensch und nicht einfach „ein Afghane“ oder „ein Muslim“. Wir respektieren Kultur, Religion und Individualität.
  • Wir vermitteln den Asylsuchenden keine Arbeitseinsätze gegen Bezahlung oder im Tauschverfahren (Schwarzarbeit – illegal!) sondern lediglich Beschäftigung.
  • Wenn wir Asylsuchende in der NUK besuchen, melden wir uns beim ORS-Empfang an und hinterlegen unseren Personalausweis (behördliche Vorschrift). Wir beachten auch die Hausordnung der NUK.  – Besuchszeiten: 10.00 – 20.00 h

 

„Es gibt zu viele Flüchtlinge, sagen die Menschen.

Es gibt zu wenig Menschen, sagen die Flüchtlinge.“

– © Ernst Ferstl

 

 

Gesucht: Weitere Aktivitäten, vor allem draussen

Gesucht werden weitere Freiwillige, die Ideen haben für Aktivitäten mit den Asylsuchenden – vor allem draussen in der warmen Jahreszeit – sowie Zeit und Lust, diese Ideen dann auch umzusetzen.

Möglichkeiten: Jassunterricht – Filmabende – Public Viewing der Fussball EM 2016 – Fest mit den Asylsuchenden zum 1. August, zB Brätle im Wald – evtl frauenspezifische Aktivitäten wie zB Herstellung von Glasperlenketten.

Meldet euch bitte bei der ORS in der NUK – Tel. 031 721 20 37/38

Deutsch als Fremdsprache (DaF) für Asylsuchende in Rubigen

In Rubigen sind ca. 90 Asylsuchende aus gut einem Dutzend Staaten untergebracht. Sie sind mit einer ebenso grossen Vielfalt an Muttersprachen und Kenntnissen in anderen Sprachen ausgestattet. Erfahrungsgemäss wird ein Anteil der Asylsuchenden – unter irgendeinem Rechtstitel – in der Schweiz bleiben. Deshalb macht es Sinn, möglichst früh mit ersten Integrationsschritten zu beginnen. Eine zu lange, ungenutzte Wartezeit kann eine spätere Integration erschweren. Die deutsche Sprache spielt dabei als Kommunikationsinstrument eine zentrale Rolle. Es ist zweckmässig und wichtig, dass die Asylsuchenden ihre Wartezeit u.a. für das Erlernen unserer Sprache nutzen. In Rubigen bemühen wir uns nach Kräften, die Asylsuchenden in diesem Lernprozess zu unterstützen. Wir sind übezeugt, dass Deutsch-Lernen auch den Asylsuchenden hilft, die nicht in der Schweiz bleiben werden. Die schwierige Wartezeit wird mit dem Aneignen einer neuen Kompetenz leichter gemacht. Der Alltag bekommt so eine Struktur und es entstehen neue soziale Kontakte. Dies hilft auch, psychische Probleme vorzubeugen bzw. abzuschwächen.

In erster Linie zielen die Deutschstunden darauf ab, die Asylsuchenden zu einfacher Kommunikation in alltäglichen Situationen zu befähigen: grüssen, sich vorstellen, einkaufen, ein Billett lösen, mit dem Arzt sprechen, sich auf der Gemeindeverwaltung verständigen u.ä.m. Da nicht alle Asylsuchenden unser lateinisches oder überhaupt ein Alphabet kennen, beginnen wir manchmal auch ganz von vorne.

In Ergänzung zum Deutschkurs, der dienstags von einem Mitarbeiter der ORS geführt wird, unterstützen um die 20 Freiwillige aus Rubigen und Umgebung die Asylsuchenden mit Übungsmöglichkeiten in Form von Alphabetisierungseinheiten, Konversation, Kurzvorträgen, Rollenspielen und Übungen, auch spielerisch. Zurzeit decken die Freiwilligen regelmässig drei Zeitfenster ab, jeweils am Montag und Freitag morgens, sowie am Donnerstag nachmittags.

Die Freiwilligeneinsätze werden über einen Doodle (passwortgeschützt) koordiniert und finden – je nach Verfügbarkeit – in Räumlichkeiten der Kirchgemeinde, der Gemeindeverwaltung oder in der Notunterkunft statt. Wer Freude am Vermitteln der deutschen Sprache hat und sich neu in der DaF-Freiwilligengruppe engagieren möchte ist willkommen und melde sich bitte bei irene(ät)interlama.net. Bei ihr kann auch das Passwort für den Doodle erfahren werden.

Link zur Doodle Umfrage